Ich habe als Kind immer nur das gezeichnet, was wichtig war.“ Diese Aussage eines unserer Trainingsteilnehmer macht für uns „die Weisheit, die in Kinderzeichnungen steckt“ aus. Wie Sie mit dieser Einstellung und der bikablo-Technik eigene Bilder aufs Wesentliche reduzieren und sie so „bikabloisieren“ können, zeigen wir Ihnen in diesem kleinen Tutorial.


Kennen Sie die berühmte Zeichnung von Pablo Picasso, auf der der legendäre spanische Künstler in elf Schritten einen detailliert gezeichneten Stier zu einer einfachen Strichzeichnung vereinfacht hat? Am Anfang dieser Reihe steht noch eine anatomisch korrekte Skizze dieses tollen Tiers – das in jedem nachfolgenden Schritt immer reduzierter dargestellt wird. Am Ende bleibt schließlich eine aus einfachen Linien und Formen bestehende Skizze übrig, in der jeder Betrachter – trotz der bestechenden Einfachheit – immer noch einen Stier erkennt.

Diese Technik der Vereinfachung nutzen wir bei bikablo auch in unseren Trainings und für unsere Arbeit im Graphic Recording. So können wir uns schnell und flexibel aus einem breiten Bilder-Fundus bedienen und mit wenigen Strichen komplexe Formen einfach darstellen.

Fehlen uns die richtigen Bilder für eine schnelle Skizze, könne wir diese mithilfe visueller Vokabeln schnell und einfach selbst entwickeln. Diesen Vorgang nennen wir „Bilder bikabloisieren“. Lernen kann das jeder, denn es kommen bei dieser speziellen Technik vor allem Buchstaben und einfache grafische Formen zum Einsatz: Punkte, Linien, Kreise, Dreiecke oder Quadrate.


„Perfektion ist erreicht, nicht, wenn sich nichts mehr hinzufügen lässt, sondern, wenn man nichts mehr wegnehmen kann.– Antoine de Saint Exupéry


Strich für Strich zum Pony – bikabloisieren in fünf Schritten

Buchstaben und einfache geometrische Formen sind sehr leicht nachzuzeichnen. Das macht sie für die Nutzung als visuelle Vokabeln bei bikablo ideal. Um zum Beispiel ein Pferd zu bikabloisieren, gehen Sie wie folgt vor:

1. Suchen Sie sich eine einfache Vorlage, vielleicht über eine Google Bildersuche. Versuchen Sie in dem Bild die einfachsten Formen zu identifizieren, um es – wie Picasso – in seine Grundformen zu zerlegen. Wo kann ich noch eine Linie weglassen, wo nicht? Wo sind Proportionen wichtig?

2. Entscheiden Sie sich für eine Version, bei der man – gemäß de Saint Exupérys Zitat – nichts mehr weglassen kann. Machen Sie sich die Grundformen noch einmal bewusst.

3. Zeichnen Sie nun Ihr Pferd Schritt für Schritt, wobei Sie mit der größten Form, in diesem Fall der Rumpf, beginnen. Merken Sie sich Strichfolge, Anschlussstellen und Proportionen. Üben Sie dann das Zusammensetzen der einzelnen Formen und Bestandteile einfach so lange, bis Sie das Bild „Pferd“ eben so flüssig  aufzeichnen können, wie Sie das Wort schreiben.

4. Nutzen Sie zum Schluss einen hellen, breiten Farbstift, um einen Schatten zu setzen. Das verleiht Ihrer Zeichnung Körperlichkeit. Merken Sie sich auch, wie und wo Sie den Schatten gesetzt haben.

5. Nachdem Sie nun Ihr Bild und seine Bestandteile beherrschen, können Sie beginnen, mit ihm zu spielen. Oft reichen einfache Änderungen in Strichrichtung oder Anordnung, um neue Bildaussagen zu erhalten.