Wenn Dialog und Verhandlung in eine Sackgasse geraten, kann Visualisierung der Schlüssel für den Ausweg sein. bikablo bietet zwei Trainingsformate an, die sich mit diesem spannenden Ansatz beschäftigen: Visualisierung in Verhandlung und Konfliktmanagement und Mit Visual Storytelling Konflikte klären. Dies ist der Anlass für ein Gespräch mit Carola Keitel und Andrea Rawanschad, zertifizierte Mediatorinnen und Trainerinnen dieses Formats.

Visualisierung in Konfliktsituationen

Alle Sichtweisen sichtbar machen – ein Schlüssel für Visualisierung in Konfliktsituationen


Warum ist Visualisierung in der Bearbeitung von Konflikten sinnvoll?

Carola: Wenn wir die wichtigsten Punkte eines Konflikts sichtbar machen, stellen wir sicher, dass die Konfliktparteien wissen, dass nichts verloren geht. Sie können sich voll auf eine bestimmte Fragestellung konzentrieren, denn sie merken, dass die anderen Themen an der Wand stehen und im Anschluss bearbeitet werden. Das reduziert Stress und Aufregung. Aus der Hirnforschung wissen wir: sind wir im Stress, haben wir – evolutionär bedingt – Schwierigkeiten, offene Fragen zu stellen und Lösungsansätze zu durchdenken. Wenn der berühmte Säbelzahntiger vor der Tür steht, sendet unser Gehirn vorrangig die Signale fliehen, kämpfen oder einfrieren. Zu mehr sind wir nicht mehr im Stande. Das heißt im Umkehrschluss: für nachhaltige Ergebnisse ist wichtig, dass wir ruhig, angstfrei und entspannt sind.

Wenn sich die Konfliktparteien sicher fühlen, können wir den Konflikt gemeinsam sinnvoll bearbeiten und klären. Dabei hilft die Visualisierung enorm.

Andrea: Wenn die wesentlichen Punkte klar und ansprechend visualisiert werden ist das enorm entlastend für die Beteiligten. Es tut gut, zu sehen, dass der Konflikt bearbeitbar ist: es sind emotional besetzte Themen, sie sind aber greifbar sind und passen auf ein Flipchart.

An welcher Stelle hat das in eurer Arbeit als Beraterinnen und Mediatorinnen schon mal einen Unterschied gemacht?

Andrea: Ich arbeite ja viel in Situationen, wo sich Menschen in Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr verstehen – Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Betriebsräte, Tarifvertragsparteien. Typischerweise knirscht es in diesen Beziehungen. Wenn ich dann in Verhandlungen, Mediationen oder Veränderungsprozessen unterwegs bin, ist Visualisierung immer dabei. Beim ersten Mal schauen die Leute oft verwundert, wenn ich Papier und Stifte auspacke, beim zweiten Mal werde ich oft danach gefragt, ob ich alles wieder dabei habe.

Carola: Ich arbeite in solchen Projekten nur noch mit Visualisierung. Es ist in jeder Sitzung einfacher, da weiterzumachen, wo man in der letzten Sitzung aufgehört hat, und zu bemerken, dass sich die Punkte vom letzten Mal verändert haben und sich Wichtigkeiten verschoben haben. So entsteht ein Eindruck von größerer Sicherheit, Struktur und guter Begleitung.

Andrea: Der Aufwand für die Visualisierung muss nicht groß sein. Ich erinnere mich beispielsweise an eine Verhandlungssituation bei einem Betriebsübergang, wo sich die Personalabteilungen von Veräußerer und Erwerber abstimmen mussten, wer welche Informationen an die Mitarbeiter/innen weitergibt. Es gab einiges an „Fingerpointing“, die Diskussion drehte sich richtig im Kreis und es ging heiß her. Ich habe nur eine offene Tür aufs FlipCchart gezeichnet mit dem Hinweis, dass es doch schön wäre, wenn die Mitarbeiter/innen einen einheitlichen „Eingang“ für alle ihre Anliegen hätten. Entlang dieses Bildes konnten wir dann gemeinsam ein Konzept entwickeln und Zuständigkeiten verteilen.

mit Visualisierung zu einem gemeinsamen Verständnis

Darum geht es immer: mit Visualisierung zu einem gemeinsamen Verständnis gelangen


Stichwort Visual Storytelling – was ist das Besondere, wenn ich einen Konflikt zusätzlich als Geschichte erzähle?

Carola: Die Gruppe kann verschiedene Perspektiven einander gegenüberstellen und vergleichen. So fällt auch direkt auf, wem welche Details wichtig sind. Zum Beispiel visualisieren wir einzelne Erfahrungen auf einem Zeitstrahl und schauen dann, welche gemeinsame Geschichte erzählt werden könnte: Wie sieht ein Bericht der Geschehnisse aus, der für alle passt und einen neuen gemeinsamen Start in die Zukunft ermöglicht?

Andrea: Oft gelingt es, den Konflikt – mit einer Prise Humor – metaphorisch zu bearbeiten: mit ein wenig Abstand und doch ganz nah dran. Ein Beispiel: Zwei Gesellschafter mit ihren unterschiedlichen Arbeitsweisen steckten in einer schwierigen Auseinandersetzung. Mit ein paar coachenden Fragen ist daraus eine Vier-Felder-Geschichte geworden (eine Methode aus dem Training Mit Visual Storytelling Konflikte klären): Die beiden Gesellschafter werden als Cowboys im wilden Westen dargestellt. Der eine mit einem gut ausgestatteten Planwagen und der Mannschaft, der andere mit einem schnellen Pferd und einem Plan, wo der Weg zum Gold ist. Eigentlich eine perfekte Ergänzung, bis zu dem Moment, wo der Wagen auseinanderbrach, weil der mit dem schnellen Pferd auf dem Kutschbock das Pferd anpeitschte, während der andere hinten noch sorgfältig den Planwagen packte. Dabei entstand ein heilloses Chaos. Die unterschiedlichen Arbeitsweisen und Arbeitsgeschwindigkeiten der beiden Gesellschafter wurde auf eine Art sichtbar gemacht, die beide annehmen konnten. So konnten wir die Bildergeschichte hin zur Lösung weitererzählen.

Ein einfaches Bildangebot

Ein einfaches metaphorisches Bildangebot – und schon kann anders über eine persönliche Differenz gesprochen werden


Was genau passiert mit diesen Ansätzen im Training Mit Visual Storytelling Konflikte klären?

Carola: Wir starten mit den „bikablo Emotions-Figuren“, weil man diese perfekt für den Ausdruck von emotionalen Situationen nutzen kann. Dann werden aus diesen Situationen typische, kurze Erzählstränge entwickelt. Dann schauen wir, wie man mit diesen gezeichneten Geschichten ganz konkret an einem Konflikt-Thema arbeitet.

Andrea: Mit ganz einfachen erzählerischen und zeichnerischen Mitteln lässt sich eine gute Bildergeschichte erzählen. Übrigens: Vorkenntnisse in der bikablo-Visualiserungstechnik helfen natürlich, sind aber ausdrücklich keine Voraussetzung für die Teilnahme.

Das klingt alles sehr spannend. Und genauso gespannt bin ich, welche Geschichten Ihr nach dem Training erzählen werdet!


Trainings-Special: Mit Visual Storytelling Konflikte klären
Bildergeschichten für die Konfliktvermittlung in Mediation, Coaching und Beratung
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