Sticht das Zeichnen am Tablet das Visualisieren mit Marker und Papier? Das ist keine Glaubensfrage, sondern eine Frage der Intention, sagt bikablo-Bildwerker Stefan Böker. Im April 2019 hat er eine Konferenz zum Thema „Hochschuldidaktik und Lehre“  begleitet – mit iPad, Pinnwand und Haftnotizen.


Stefan, du hast als Visual Facilitator und Graphic Recorder für das „6. Forum Hochschullehre“ des Netzwerks hdw nrw in Mönchen-Gladbach gearbeitet. Was war dein Auftrag?

Es ging vor allem um Wissenssicherung und Reflektion: Wir wollten die Gedanken der Teilnehmenden zu den vier wichtigsten Themenfeldern sammeln und sichtbar machen: Tutorenarbeit, Wissensvermittlung zur Lernbegleitung, hochschuldidaktische Weiterbildung und digitale Lehre. Das Wissen der Teilnehmenden geht auf einer solchen Konferenz schnell verloren. Deshalb muss die Sicherung schon im Vorfeld geplant werden. Auch, wann wer wem welche Frage stellt und wie die Antworten in den Prozess zurückgegeben werden.

Das Thema digital und analog war somit auch Inhalt der Veranstaltung. Wie hast du entschieden, wann du mit Stift und Papier gearbeitet hast, und wann am Tablet?

So etwas planen wir nie im stillen Kämmerlein, sondern immer im Dialog mit den Auftraggebenden. Zusammen mit der Organisatorin Heike Kröpke haben wir herausgefunden, wie das Wissen im Raum gesammelt, visuell verarbeitet und präsentiert werden sollte. Analoge Medien wie Haftnotizen, Pinnwände, Stift und Papier eignen sich oft am besten, wenn eine Gruppe selbstgesteuert und unmittelbar Wissen festhält und austauscht. Die Stärke von iPad und Beamer ist hingegen, Ergebnisse mit allen Beteiligten und der „Welt da draußen“ zu teilen.

Wie seid ihr vorgegangen?

Wir haben die Teilnehmenden schon zu Beginn gebeten, ihre Gedanken in den Pausen mit verschieden farbigen Haftnotizen auf einem Plakat zusammenzutragen. Diese Gedanken habe ich dann mit den Gastgebern ausgewertet und zu Kernaussagen zusammengefasst. Daraus wiederum enstand eine digitale Visualisierung, die wir mit allen 80 Teilnehmenden zum Abschluss der Veranstaltung ausgewertet haben. Das Schöne bei einer solchen gemeinsamen Abschlussreflektion ist, dass die Teilnehmenden ein tatsächliches Ergebnis mit nach Hause nehmen können – ein achtsam und professionell gestaltetes Wissensprodukt, an dem sie aktiv mitgearbeitet haben und in dem sie ihren Beitrag wiedererkennen können.

Abgesehen von der sorgfältigen Prozessplanung, die bei der Beratung von bikablo bildwerk ja eine essenzielle Rolle spielt – wo genau siehst du die Vorteile, die das digitale Visualisieren in einer solchen Echtzeit-Situation haben kann?

Oft stellen wir in der Auftragsklärung fest, dass es für den Lern- und Dialogprozess nachteilig sein könnte, wenn ein großes Graphic Recording im Raum die Teilnehmenden von ihren Arbeitsaufträgen ablenkt. Auf dem Tablet kann ich hingegen sehr diskret arbeiten. Auch kann ich Inhalte einfacher ergänzen, korrigieren und umstellen. Ihre Stärken spielt die digitale Visualisierung jedoch vor allem in der Präsentation aus: Eine große Gruppe kann mein Recording besser auf einer großen Projektionsleinwand erleben. Ich kann mein zeichnerisches Vorgehen noch einmal im Zeitraffer ablaufen lassen, ins Bild hineinzoomen und dann einzelne Inhalte wieder im Gesamtzusammenhang verorten. Und ich kann dann sogar noch live die abschließenden Kommentare der Teilnehmenden hinzufügen.

Mit jedem Projekt ergeben sich also neue Ansätze, digital und analog miteinander zu verknüpfen. Vielen Dank für das Gespräch!

 

Stefan Böker ist Visual Facilitator, Graphic Recorder und Trainer bei bikablo