Ein spontan umgeplanter online-Workshop von bikablo bildwerk ermöglichte überraschende Erkenntnisse. Hier unsere fünf wichtigsten Take-aways zur virtuellen Zusammenarbeit.

Wir blicken in zwei Gesichter mit müden Augen und einem breiten Grinsen im Gesicht. Graphic Recorder Tim und Visual Facilitatorin Anne kommen aus einem Workshop für die Personalentwicklung eines DAX-Konzerns, der aufgrund der Kontaktbeschränkung kurzfristig online stattfinden musste.

Wer Workshops plant, weiß: Eine absichtlich digital gestaltete Veranstaltung würde man völlig anders aufziehen als eine analoge – bezüglich Zeit, Gruppe und Lenkung der Kommunikation. Dieser Workshop war aber analog geplant, und der Umzug musste in wenigen Stunden organisiert werden. Umplanen, Rücksprache mit der Kundin, Umgestalten der Agenda, Check der Technik – alles im Schnelldurchlauf. Trotz allem sind Kundin und Facilitators glücklich.

Was hat hier gut funktioniert?
 Genau die Momente, in denen trotz digitalen Zwangsabstandes ein gemeinsames Bild entstand, die Beteiligten sich ungewohnt persönlich begegneten (im Wohnzimmer mit vorbeirennenden Kindern) und in denen notgedrungen gewählte Methoden ungeahntes Potential entfalteten.

Hier einige unserer „Ostereier“:

Der Blick ins Wohnzimmer als Bild für Menschlichkeit

Das Bild aus dem Sommerurlaub, die Katze, der Wäscheständer – aus dem Homeoffice bekommen wir Dinge zu sehen, die uns einen unmittelbaren Zugang zur Person vor uns ermöglichen – besonders, wenn Zeit dafür eingeräumt wird, diesen Umstand anzusprechen und es am Rande von komplexen Inhalten „menscheln“ zu lassen. Wenn Menschen mit anderen Menschen sprechen, und nicht Rollen mit Rollen, ist Verständigung wahrscheinlicher.

BreakOut-Sessions als Motivation und Aktivierung

Wie oft sitzen wir in Meetings, obwohl wir das Thema bereits kennen oder nicht der/die richtige Ansprechpartner/in sind. Im analogen Raum ist die Hürde groß, aus dem Raum zu gehen. Parallel Mails zu bearbeiten oder das Smartphone zu checken zeugt von fehlendem Respekt. Wir vereinbarten deshalb kleine Kürzel für „Vertiefen“ oder „Überspringen“ im Chat und gestalteten so Nebenräume für Teilteams. Das „Gesetz der zwei Füße“, das wir als Aufforderung zur Eigenverantwortlichkeit aus der Großgruppenmethode Open Space kennen, wurde hier zur Kommunikationspraxis.

Der Chat als übergeordnete Ebene und Hüter der Redezeit

Manchen Methoden entfalten online ein ganz neues Potenzial. Das von uns sehr geliebte, aber für Trainerende herausfordernde „stumme Schreibgespräch“ ist ein gutes Beispiel dafür: Teilnehmende unterhalten sich zu vereinbarten Fragestellungen schriftlich an Pinnwänden, statt durcheinander zu reden. Dieses Vorgehen haben wir auf die Chat-Funktion unseres Videoconferencing-Tools übertragen. Darüber geschahen Dinge intuitiv, die ansonsten hätten aufwändig angeleitet werden müssen. Es entstand eine fortlaufende Auswertungsebene mit nachvolltziehbaren Dialogen.

Die Redenanteile konnten über den Chat auch gleichmäßiger zwischen introvertierteren und extrovertierteren Kolleg/innen verteilt werden. Und wie so oft stellte sich heraus, dass es für alle fruchtbar ist, auch den „Leiseren“ im Raum aufmerksam zuzuhören.

Expertenimpulse ohne Treibhausgase

bikablo verfügt über ein großes Team mit Expertisen aus den unterschiedlichsten Bereichen. In analogen Veranstaltungen können wir nur erwähnen, dass wir jemanden im Team haben, der hierzu „ganz viel zu sagen hätte“. Online sind dagegen kurze Experternimpulse ohne aufwändige Anreise möglich. Das ermöglicht den Kund/innen, in einer großen Bandbreite von unseren Spezialist/innen zu profitieren.

Ein Bild als Konsens des Dialogs

Ein Fenster in unserem Videoconferencing-Tool war dem Scribe gewidmet, in unserem Fall dem iPad von Tim, der die entstehende Strategie in Bilder umsetzte. Parallel zum Dialog sahen alle Beteiligten detailliert und in Echtzeit, wie ihre Aussagen aufgenommen und umgesetzt wurden, und konnten sich unmittelbar darauf beziehen. Da wir das Bild (frei nach einem Zitat des Soziologen Kurt Lewin) nie als Wahrheit, sondern immer als Auftakt zu einem Gespräch auf einem höheren Level verstehen, kann es hier eine ganz neue Dynamik ermöglichen.

Gemeinsame Erkundung: Welche Bildmetapher transportiert das Anliegen am Besten?

Und jetzt? Die – Corona-bedingte – Phase des hektischen Umzugs in digitale Formate liegt hinter uns. In unserem Kölner Hauptquartier ist ein Studio entstanden, aus dem Trainer/innen und Visualisierer/innen virtuelle Formate auf professionellem Niveau realisieren können. Echtzeit-Streams, Videoeinspieler und neue Online-Tools eröffnen dabei neue didaktische Möglichkeiten. Die Agenda kann mit Vorlauf optimal auf die Möglichkeiten von Home Office und Bildschirmarbeit abgestimmt werden. Und die kreativen und spielerischen Möglichkeiten, die die Kombination von Handzeichnung und digitaler Technik ermöglichen, sind fast grenzenlos.

Konferenzen online zu konzipieren war für uns eine zunächst unfreiwillige Option, die aber im Verlauf zunehmend ihr Potential entfaltete. Es ist überraschend, wie menschlich und spielerisch es sich in virtuellen Räumen zusammenarbeiten lässt.