Zusammen auf Distanz: Wie führt man Trainings und Workshops erfolgreich durch, entwickelt dabei ein Gruppengefühl und hält trotzdem alle Hygieneregeln ein? Carola Keitel, Andrea Rawanschad und Desirée van Dijk aus dem bikablo-akademie-Team berichten.

Groß war die Freude, als klar wurde, dass wir endlich wieder Präsenztrainings durchführen dürfen. Doch würde das „bikablo-Feeling“ bei all den Abstands- und Hygieneregeln nicht verloren gehen? Und wie würden wir es schaffen, dass sich das Corona-Thema nicht wie ein Schleier über das Training legt?

Am 10. und 11. Juni war es dann so weit: Eingedeckt mit Stiften, Papier, Masken und Desinfektionsmittel starteten wir in ein bekanntes und gleichzeitig neues Training. Die anfängliche Skepsis verflog schnell, denn Dank der guten Vorbereitung und der Unterstützung unseres Seminarraum-Anbieters und aller Teilnehmenden wurde dieses Training für alle zu einem tollen Erlebnis – trotz Maskenpflicht, eineinhalb Metern Abstand und dem Duft von Desinfektionsmittel.

Hier unsere 5 Tipps für ein gutes Gelingen, damit sich unsere Erfahrung in anderen Fortbildungen und Workshops wiederholen kann:

1. Sorge für einen großen und gut lüftbaren Raum

Ein großer Raum bietet die Möglichkeit für einen Stuhl- oder Pinnwandkreis mit genügend Abstand. So können alle ohne Mundschutz arbeiten. Denn für unser Trainingserlebnis ist es entscheidend, schnell alle Gesichter lesen zu können: Mimisch ausgedrückte Emotionen wie Freude oder Erstaunen sind genauso wichtige Signale wie Zweifel oder Überforderung. Und wir hatten durchgehend ein vollständig geöffnetes Fenster und eine offene Tür, um für Durchzug zu sorgen und somit immer frische Luft zu haben.

So klappt’s auch mit dem Nachbarn: Distanzregeln im Training brauchen Platz

2. Werbe für das Verständnis für einfach Hygieneregeln

Vor Trainingsbeginn, nach dem Kennenlernen, trafen wir mit den Teilnehmenden Hygienevereinbarungen (Abstand, Mundschutz, Händewaschen usw.). Überall im Raum hatten wir Desinfektionsmittelflaschen verteilt. Einiges war ungewohnt: Mundschutz war Pflicht beim Umhergehen, „Biopausen“ konnten nur einzeln gemacht werden, beim Essen saßen maximal vier Personen an einem Tisch, und alle Teilnehmenden bekamen in den Kaffeepausen ihr eigenes Tablett.

3. Gib allen Teilnehmenden ihren eigenen Arbeitsbereich mit eigenem Arbeitsmaterial

Anders als gewohnt war es nicht möglich, das Zeichenmaterial in die Mitte des Raumes zu stellen. Aber Not macht erfinderisch: Jede/r Einzelne erhielt einen kleinen Karton mit Stiften und Haftnotizen und ausreichend Papier. Und wenn ein Stift aufgefüllt werden musste? Der/die Teilnehmende legt den Stift in die Mitte, der/die Trainierende desinfiziert ihn, füllt ihn auf, desinfiziert ihn wieder und der/die Teilnehmende holt ihn wieder von der „Tankstelle“ ab.

Liebevolle Pausensnacks „mit Abstand“ von unserem Seminarraum-Anbieter tor28.de in Köln

4. Ermuntere zur intensiven Zusammenarbeit trotz Abstand

Ohne kollaborative Phasen wäre unser Trainingskonzept nicht was es ist. Die Abstände im Stuhl- und Pinnwandkreis waren groß genug, um ohne Maske miteinander zu reden. Sobald Teilnehmende und Trainierende durch den Raum gingen oder einander näherten, setzten sie ihren Mundschutz wieder auf. Natürlich war es zunächst ungewohnt, auf Abstand miteinander zu sprechen. Da aber alle überzeugt waren, dass die Abstandsregeln richtig und wichtig sind, wurde auch das schnell zu einem „neuen Normal“ im Dialog.

5. „A leader in every chair“ – vereinbare mit den Teilnehmenden geteilte Verantwortung für die besondere Situation

Uns war wichtig, mit unseren Teilnehmenden die Verantwortung für das Gelingen dieses Training unter besonderen Bedingungen zu teilen: „Wir stecken hier gemeinsam drin: Als Trainierende sind wir für Agenda, Zeiten, Lernprozess und Gruppenflow verantwortlich. Als Gesamtgruppe für die Einhaltung der Regeln und eine gute Stimmung, auch wenn sich einiges ungewohnt und umständlich anfühlt.“ Das half, uns im Trainierenden-Team, entspannt auf die Lerninhalte und den Prozess zu fokussieren.

Mit Distanz und doch gemeinsam zu arbeiten – das fühlte sich anfangs nach einer großen Herausforderung an. Dieses Training hat uns aber gezeigt: Wenn alle aufeinander achten, Rücksicht nehmen und sich an die Vereinbarungen halten, sind Masken und Abstände keine wirklichen Barrieren mehr für menschliche Begegnungen.


Carola KeitelCarola Keitel ist Bildhauerin, Mediatorin und Facilitator. Durch das Vereinen ihrer zahlreichen Fähigkeiten schafft sie es, Visualisierung und Prozessberatung miteinander zu verbinden und dadurch immer wieder Neues entstehen zu lassen.

 

Andrea RawanschadAndrea Rawanschad, Anwältin für Arbeits- und Betriebsverfahrensrecht, Mediatorin und Facilitator vereint das, was nicht vereinbar scheint: mit Bild, Herz und Verstand begleitet sie Gruppen bei jeder noch so verzwickten Lösungsfindung und unterstützt diese als Visual Facilitator und Trainerin.

 

Desirée van DijkDesireé van Dijk ist Neuropsychologin und Facilitator. Ihr Talent, Einfühlungsvermögen, Zugewandtheit und visuelle Sprache zu vereinen sorgt dafür, dass in Visualisierungstrainings und Veränderungsprozessen Barrieren wie von selbst fallen.