Kann man mit Bildern dazu beitragen, Stigmatisierung und Diskriminierung entgegenzuwirken? Ein Radioprojekt in Westafrika nutzt den „Soap-Opera Approach“, um Veränderung im Alltagsbewusstsein herbeizuführen. Bikablo ist mit dem Stift bei der Konzeption der Story dabei.

Nach unserem letzten Bericht über Mirko Hoff in Westafrika ist viel passiert. Wir treffen Mirko in einem Projekt wieder, das mit Hilfe von Storytelling das Bewusstsein für die Diskriminierung der Kanouri in Nord-Kamerun im Alltag schärfen will. Diese werden oft in Verbindung mit der extremistischen Sekte Boko-Haram gebracht und so infolge eines Trugschlusses stigmatisiert.

Wie verschafft man sich Gehör, wenn sich unreflektierte Verhaltensmuster im Alltag etabliert haben? In diesem Falle durch eine Radio-Soap, mit der der gesellschaftliche und politische Diskurs nachvollziehbarer und spannender gemacht wird. Gemeinsam mit Equal Access, einer Organisation, die Länder in Afrika, Asien und dem mittleren Osten durch den Einsatz von Medien bei kritischen Herausforderungen unterstützt, arbeitet Mirko auf diese Weise daran, Radikalisierung der Bürger*innen zu verhindern, sowie einen interkommunalen Dialog zu schaffen, der Stigmatisierungen entgegenwirkt. Die Hörer*innen begleiten fiktive Charaktere im Alltag in ihren Dörfern und entwickeln sich im besten Fall gemeinsam mit Ihnen, wie man es zum Beispiel aus der „Katharsis“ bei antiken Tragödien kennt.

 

Was können wir als Visual Practicioners zur Entwicklung eines Audio-Formats beisteuern? In diesem Fall vor allem eine sichtbare und konkrete Ausgangslage für die virtuelle Zusammenarbeit. Bei der Entstehung des Skripts für die Radiosendung kam nämlich Corona dazwischen und die Beteiligten konnten nur via Video-Chat miteinander kommunizieren. Wie häufig fehlt ohne den direkten Kontakt eine zentrale Möglichkeit, gemeinsames Verständnis zu überprüfen. Um dieses nicht ganz barrierefreie Arbeiten trotzdem fokussiert zu gestalten, gemeinsam zu denken und alle Ergebnisse festhalten zu können, hat Filippo Buzzini für bikablo als Scribe die Planung begleitet. Zum einen sehen so alle Beteiligten fortlaufend, welche Arbeit geleistet und welche Ergebnisse erzielt wurden. Zum anderen deckt man über den gemeinsamen Blick auf die entstandenen Bilder ein möglicherweise divergierendes Verständnis oder diskussionsbedürftige Themen auf, die man sonst überlesen hätte. Die Rückmeldungen der Beteiligten waren jedenfalls mehr als enthusiastisch.

Bei unserem Auswertungsgespräch formulierte der Projekverantwortliche Katiella Gaptia (Equal Access International, Voices for Peace) sein Fazit so: „Ich hätte nicht erwartet, dass die Visualisierung einen solchen Schub in die gemeinsame Arbeit bringt. Bei einigen Mitarbeitenden hat das Bild von Filippo die eigene Vision unseres Handlungsortes und der einzelnen Personen überhaupt erst möglich gemacht, weil es die inneren Geschichten in Gang gesetzt hat. Ich frage mich, warum wir in Ländern, in denen das Geschichtenerzählen eine solche Tradition hat und auch heute noch eine solche Wirkung erzielt, nicht viel mehr mit Visual Facilitating arbeiten. Wir werden hier definitiv dran bleiben und das visuelle Arbeiten weiter ausbauen!“

Wie genau Visualisierung hier eingesetzt wurde und welche Erfahrung Filippo Buzzini gemacht hat, erfahrt ihr in unserem nächsten Blog. Außerdem berichten wir darüber, wie wir die Ausbildung von Visual Facilitators vor Ort mit Hilfe des bikablo Global Trainer Programms unterstützen wollen.