Visualisierung als Dialog-Werkzeug in Konfliktregionen

Mein Name ist Ziépégué und ich bin Programmmanager für die NGO „Resilience for Peace“ in der Region Folon, die sich im Nordwesten der  Elfenbeinküste an der Grenze zu Mali befindet. Ich begleite die dortigen Dörfer dabei, ihre Konflikte besser zu regeln und vor allem zu verhindern,
dass bewaffnete nichtstaatliche Gruppen von der Sahelzone in ihrer Region Fuß fassen. Im folgenden Blog erzähle ich euch, wie ich Visualisierung in der Arbeit mit den Dorfgemeinschaften einsetze und warum mein Flip-Chart hier auf meinem Motorrad klemmt.

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Ich habe die Visualisierung durch meinen Kollegen Mirko entdeckt, einen von vielen bikablo global trainers weltweit. Fasziniert von der Kraft der Visualisierung, das gegenseitige Verständnis unter
Menschen zu fördern, habe auch ich angefangen, bei der Umsetzung meiner Projektaktivitäten visuell zu experimentieren. Ich habe schon immer gerne zum Vergnügen gezeichnet, aber mit der bikablo-Technik ist das Zeichnen viel einfacher geworden und hat sich zu einem Dialog-Werkzeug eiterentwickelt.

Ein großes Problem für die Dorfgemeinschaften im Folon ist beispielsweise, dass ihre Rinder, die für sie lebenswichtig sind, nachts gestohlen werden oder auf der Nahrungssuche in andere
Gebiete wandern. Als „Resilience for Peace” hatten wir mit den lokalen Behörden und Gemeindevorstehern vereinbart, die Einwohner des Dorfes Tiéfinzo etwa 15 Kilometer von der
Grenze zu Mali beim Aufbau eines Nachtgeheges für ihr Vieh zu unterstützen. In einem solchen Gehege werden wandernde Rinder für die Nacht eingezäunt, wodurch verhindert wird, dass sie auf nahegelegene Felder streunen und die Ernte fressen, oder dass sie geklaut werden.

Eine Herausforderung für die Arbeit in solchen Projekten ist immer wieder die geringe
Alphabetisierungsrate, die das Verständnis der Dorfbewohner und ihre Akzeptanz für bestimmte Initiativen wie die unsere erschwert – nur 2 von 10 Einwohnern können lesen und schreiben.

Da ich mir die Notwendigkeit eines angemessenen Dialogformats bewusst war, entschied ich mich, Visualisierungstechniken einzusetzen, in der Hoffnung, dass sich dies positiv auf die
Akzeptanz der Einwohner von Tiéfinzo auswirken würde. Allerdings stand ich vor einem Problem, denn für Visual Faciliation vor einer Gruppe benötigt man großformatiges Papier und einen stabilen Flipchart-Ständer. Und ich musste mit diesem sperrigen Flipchart etwa zehn Kilometer
über unbefestigte Sandwege nach Tiéfinzo fahren, und das auf dem einzige verfügbaren
Transportmittel: meinem Motorrad. Da dessen Gepäckträger für den Transport eines Flipcharts nicht geeignet war, ging ich das Risiko ein und setzte mich einfach auf einen Teil des Flipcharts (siehe Foto).

Als ich sicher in Tiéfinzo angekommen war, nutzte ich die visuellen Hilfsmittel, um zu beschreiben, wie ein Nachtviehpark den Zusammenhalt der Gemeinschaft verbessern kann.

Meine visuelle Geschichte verlief wie folgt:
Im Dorf X gibt es keinen Nachtpark für Rinder, sodass frei herumlaufende Rinder nachts Schäden an Feldern verursachen. Als Reaktion darauf töten die Bauern die Tiere, die sie finden, mit
Macheten, weil sie es leid sind, ihre Ernte zu verlieren und keine Entschädigung zu erhalten. Im Gegensatz dazu, hatten die Menschen im Dorf Y einen Nachtviehpark gebaut und lebten in größerer Harmonie und mit weniger Streit wegen der Rinder.

Als Nächstes erstellte ich eine erklärende Visualisierung, um den Bauprozess, den Lageplan und die Funktionsweise des Parks zu beschreiben. Inspiriert von den Visualisierungen stellten mir die Anwesenden Fragen zur praktischen Nutzung des Parks und wiesen mich sogar auf konkrete Verbesserungsmöglichkeiten in meiner Visualisierung des Bau- und Lageplans hin.

So hat sich durch meine visuellen Geschichten und Erklärungen die Verständnislosigkeit in
neugierige Zusammenarbeit verwandelt. Die wagemutige Reise auf dem Motorrad hat sich gelohnt – die Visualisierung und das Flipchart halfen mir dabei, die volle Zustimmung der Dorfgemeinschaft für meine Initiative und ihre aktive Beteiligung am Planungsprozess zu gewinnen.

Ermutigt durch den Erfolg meiner Visualisierungen, nahm ich sie mit in andere abgelegene Grenzdörfer, wo wir den Bau von weiteren Nachtviehparks ermöglichten. Immer mit dabei: mein
Flipchart hinten auf meinem Motorrad.

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